Eckbert_Lösel_about

Das gute Bild von Eckbert Lösel *1963.

Unsichtbare Mächte lenken und quälen seit Anbeginn der Zeit unsere Geister. Die Tore des Himmels öffnen sich über dem Olympiastadion Seoul für das größte Gaming- Event der Welt, wie über der Piazza Mercatello in Neapel während der Pest von 1656. Jeder Millimeter vibriert und leuchtet in voller Pracht, Tag und Nacht. Binärcodes durchbohren unsere Körper wie Pfeile den Heiligen Sebastian von Botticelli. Reines Licht, freigesetzt für uns alle! Glückseligkeit durch Erkenntnis: eine Sucht die täglich gestillt werden muss. Göttliche Lichtimpulse, wie Morsezeichen für das menschliche Auge, enthüllen die Geheimnisse des Sichtbaren, Wahrheiten, die der Suchende in sich aufnimmt und visuell zu ertasten versucht. Es sind weder Halluzinationen noch heilige Erscheinungen, die ihn plagen, sondern die verinnerlichten Erfahrungen, gewonnen durch systematisches wiederholen seiner Übungen. Mühseliges Abtrainieren schlechter Sehgewohnheiten bis zur Auflösung seiner Selbst. Die physisch erfassbaren Alltagsgegenstände, die sich in Echtzeit räumlich vor dem Maler manifestieren, werden von ihm zeichnerisch festgehalten.
Wir verbringen die meiste Zeit damit elektrisch erzeugte Unterhaltungsbilder zu generieren, zu konsumieren und zu teilen. Bildhauer sind Programmierer. Smartphones Seelenräuber. Second Life das Paradies.
In Lösels Cyberpunk synthetisieren die virtuelle Realität und reales Leben zu einem Layer und vollenden schließlich sein Stillleben.

Text: Stefan Wäldele