Aljoscha_Heims_text

„Wenn ich meine Bilder angucke, sehe ich die Bilder,  die ich noch nicht gemalt habe“  
Aljoscha Heims
 

Mund und Augen der Porträtierten sind auf uns Betrachter gerichtet, die uns ihrerseits zu betrachten scheinen. 
Glätte, Tiefe, Dichte, Reduktion. Auf erhabenen Hochformaten. Farbflächen schieben sich wie tektonische Platten aufeinander. Pulverisieren die Ränder zu Staub. 
Die Abbildung der Menschen erklimmt in der Malerei die höchste Stufe. Der Mensch, so sagt Emanuel Levinas, erkenne sich selbst erst im Antlitz der Anderen. Doch in den Bildern von Aljoscha Heims baut sich die Spannung in unseren Augen auf. Wir suchen die Farbflächen nach Spuren des Pinsels ab und finden sie nicht. Nur Farbe auf großen Flächen glatt aufgetragen. 
Diese Malerei lässt keine Interpretation zu. Es ist exakt das zu sehen, was zu sehen ist. Schließlich, so sagte es Aljoscha Heims, sei ein Bild  immer eine zweidimensionale Angelegenheit. Glatte Flächen haben es schwer. Glatt in der Malerei heißt Oberfläche, der Begriff assoziiert oberflächlich,  ganz im Gegenteil von gestisch pastoser Malerei, die immer mit positiven Eigenschaften besetzt wird. Das gestisch Pastose steht für aktiv, steht für zentimeterdicke Schichten mit dem Pinsel über die Leinwand spachteln. Als würde das Gestische auch noch einen Anspruch einfordern, auf eine nicht vorhandene Dreidimensionalität. 
Man bleibt an diesen Augen und Mündern in Aljoscha Heims Bildern lange hängen, die inmitten dieser großen  Farbflächen liegen. Alleine schon deswegen, weil sie so exakt ausgeführt sind, wie mit Farbe auf die Leinwand  gezeichnet. Dieses Hingucken und nicht mehr Weggucken  können, passiert, da wir die Betrachter, solche Bilder nicht allzu oft zu sehen bekommen: so fesselnd, so spannend frisch. Auch weil der Kanon der Gegenwartskunst, und hier besonders in der Malerei, die Qualitätskategorie Können offensichtlich zugunsten sich permanent proliferierender, modischer und kunstfremder Diskurse aufgegeben hat. 

Thomas Schoenberger